Kurzgeschichten
Warum bin ich überarbeitet?
Die Bevölkerung von Deutschland beträgt derzeit 80.000.000 Menschen.
Davon sind:
20.500.000 Rentner. Es verbleiben also
59.500.000 um die ganze Arbeit zu verrichten. Zieht man noch
22.000.000 Kinder, Schüler und Studenten ab, verbleiben noch
37.500.000 Dann sind da aber noch
4.500.000 Arbeitslose,
16.000.000 Beamte, die auch kaum etwas tun, sowie
13.500.000 Hausfrauen bzw. Mütter. Bleiben also
3.500.000 Menschen übrig.
300.000 befinden sich zudem im Millitär- bzw. Zivildienst,
1.700.000 im Krankenstand, weitere
1.400.000 im Urlaub,
40.000 sind Obdachlos / Penner und
59.998 befinden sich im Gefängnis. Somit bleiben nur
2 armselige Trottel übrig, um die ganze Arbeit zu erledigen.
Sie und ich !!
Und was machen Sie? ... Sie sitzen da und lesen diese Nachricht!
Kein Wunder, dass ich total überlastet bin !!
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Autofahren macht Spass. Essen macht Spass.
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© 03.11.2002 Oliver Tunnat
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Am meisten Spass macht Essen im Drive-in-Schaltern, speziell in meinem Lieblings-Fast-Food-Restaurant.
Das Vergnügen an der Self-Service-Version des Essens auf Rädern wird allerdings erheblich durch
die Qualität der Gegensprechanlage gemindert. Ich bin der Überzeugung, dass sie ihren Namen
deshalb bekommen hat, weil sie völlig gegen das Sprechen ausgelegt ist. 'Hiere Bechelun hippe,' knarzt es
mir aus dem Lautsprecher entgegen, der übrigens ein lebender Beweis für die Haltbarkeit von
Vorkriegsware ist. Heiliger McDonald! Investment wäre hier angebracht. Als erfahrener Drive-In'ler weiss
ich allerdings, dass der Herr am anderen Ende des Dosentelefons sich gerade nach meiner Bestellung erkundigt hat.
Ich eröffne das Spiel klassisch mit einer Gegenfrage: 'Haben Sie etwas vom Huhn ?' Aus der
Gegensprechanlage tönt ein schwer verständliches Wort, dass allerdings eindeutig mit '...icken' endet.
Deshalb antworte ich: 'Gute Idee, junger Freund, aber zunächst möchte ich etwas essen'. Etwas lauter
tönt es zurück: 'TSCHIKKEN!' 'Ach so, Sie meinen Chicken. Nö, lieber doch nicht. Haben Sie
vielleicht Presskuh mit Tomatentunke in Röstbrötchen?' 'Hamburger?', fragt mein unsichtbares Gegenüber
zurück. Wahrheitsgemäss erwidere ich: 'Nein, ich bin Einheimischer. Aber wieso ist das so wichtig
für meine Bestellung?' 'WOLLEN SIE EINEN H-A-M-B-U-R-G-E-R!?' 'Jetzt beruhigen Sie sich mal. Ja ich nehme
einen.' 'Schiess' - 'Stimmt, hatte ich nach der letzten Mahlzeit hier. Mittlerweile ist meine Darmflora allerdings wieder
wohlauf, so dass ich denke, ich kann es erneut riskieren.' 'OB SIE KÄSE ZUM HAMBURGER MÖCHTEN!?'
'Netter Vorschlag. Ja, ich glaube ich nehme einen mittelalten Pyrenäen-Bergkäse, nicht zu dick
geschnitten, von einer Seite leicht angeröstet.' Ob die nächste verknarzte Meldung aus dem
Lautsprecher nun 'Aber sicher doch' oder 'Du *PIEP*' lautet, kann ich nicht exakt heraus hören.
Deutlich verstehe ich hingegen: 'Was dazu?'. 'Doch ja. Ich hätte gerne diese gesalzenen frittierten
Kartoffelstäbchen.' 'Also Pommes?' 'Von mir aus auch die.' 'Gross, mittel, klein?' 'Gemischt. Und zwar genau
zu einem Drittel grosse, mittlere und kleine.' 'WOLLEN SIE MICH EIGENTLICH VERARSCHEN ?!?!?' Diese, wiederum
sehr laut formulierte Frage verstehe ich klar und deutlich. Sie verlangt eine ehrliche Antwort: 'Falls das Bedingung
ist, hier etwas zu essen zu kriegen: Ja! Also, machen wir weiter?' 'Gut, gut. Etwas zu den Pommes?' 'Ein
schönes Entrecote, blutig, und ein Glas 1997er Chianti.' 'ICH KOMM' DIR GLEICH RAUS UND GEB' DIR
BLUTIG!!!' 'Machen Sie das, aber verschlabbern Sie den Chianti dabei nicht.' 'SCHLUSS JETZT! Schalter zwei.
Sechseurofünfundvierzig.' Schon vorbei. Gerade wo es anfängt, lustig zu werden. Aber ich habe noch
ein Ass im Ärmel. Ich zahle mit einem 200-Euro-Schein: 'Tut mir leid, aber ich hab's nicht grösser.'
*PIEP* freundlich werde ich ausgekontert: 'Kein Problem,' und mit kaltem Blick ausbezahlt, klappert mein
Wechselgeld auf dem Stahltresen. Doch nicht mit mir! Ich will den totalen Triumph: 'Kann ich ne Quittung haben?
Ist ein Geschäftsessen.'
Besuch im Schwimmbad
Obwohl ich Schwimmbäder eigentlich hasse ...
lasst mich erklären, warum: Ich packe so gegen 11 Uhr an einem freien Mittwoch mein Handtuch, ein Buch,
eine Flasche ALDI-Mineralwasser und eine Flasche Sonnencreme ein und setz mich ins Auto. Natürlich müsste ich
nicht mit dem Auto fahren. Ich könnte ja auch mit dem Rad fahren. Aber Rad fahren ist genauso zum Kotzen wie
Strassenbahn fahren... und zu Fuss geht nun wirklich nicht! Also, ich fahre zum Schwimmbad. Je näher ich dem
Schwimmbad komme, um so grösser wird die Zahl der Radfahrer, die mit sonnigem Gemüt kreuz und quer
nebeneinander und sowieso überall auf der Strasse herumschlingern, die Sonnenbrille auf der Nase und
tonnenweise Krempel im Körbchen, wie zum Beispiel Luftmatratzen, Kühlboxen, Sonnenschirme oder ihren
Nachwuchs. Man könnte glauben, manche wären aus ihren Häusern vertrieben auf dem Weg in die Fremde...
aber nein, sie wollen tatsächlich nur einen Tag ins Schwimmbad. In tiefem Vertraün auf den lieben Gott
und meine Geduld rauschen sie also unkoordiniert vor meinem Auto herum... aber ich lasse mich nicht entmutigen
und suche einen Parkplatz. Schatten wäre toll. Am besten nicht zu weit weg. Ich suche ungefähr eine halbe Stunde
und stelle mich dann eineinhalb Kilometer vom Eingang entfernt gegen die Fahrtrichtung im absoluten Halteverbot
auf einen sonnendurchfluteten Radweg, den die oben erwähnten Bekloppten komischerweise eisern ignorieren.
Vor der Kasse steht eine riesige Menschenmenge. Darunter auch fünf ältere Herren in Team Telekom-Outfits,
die lauthals verkünden, dass sie nach 20 Kilometern Rad fahren jetzt noch 25 Bahnen schwimmen werden...
Interessante Triathlon-Variante: mit dem Fahrrad ins Schwimmbad, mit dem Krankenwagen wieder zurück.
Drei Teenies zwängen sich durch die Reihe nach vorn. Auf meinen freundlichen Hinweis, sie sollten sich doch bitte
hinten anstellen, antwortet einer mit einem ebenso freundlichen: Halt doch die Fresse, Penner!
Aber ich freu mich einfach nur weiter auf das kühle Nass und passe nebenbei auf, dass mir im Gedränge keiner
den Geldbeutel klaut. An der Kasse mache ich meinen Anspruch auf Studenten-Ermässigung geltend.
Die freundliche Dame bittet mich herein, lässt sich Studentenausweis, Personalausweis, Führerschein, EC-Karte, Organspender-Karte, Impfpass und Geburtsurkunde vorlegen und unterzieht mich einem Lügendetektor-Test. Nachdem das BKA meine Fingerabdrücke überprüft hat gewährt man mir tatsächlich ermässigten Einlass in den Badespass-Park! Ich suche mir ein nettes Plätzchen auf der Wiese, lege mein Handtuch auf ein Ameisenloch und eine alte Portion Pommes und freu mich auf den schönen Tag. Die Vöglein singen, die Kinder schreien und die Kids nebenan erfreün das ganze Schwimmbad mit dem lieblichen Geschrei von DJ BOBO, welches aus ihrem Ghettoblaster dröhnt. Dann erfreü ich die Bienen und Wespen, indem ich mich von Kopf bis Fuss mit einer pampigen stinkigen Sonnencreme einschmiere. Sofort summen sie lustig um mich herum... Ach, das Leben ist schön! Nachdem ich mich eine halbe Stunde in der Sonne geräkelt habe, bekomme ich langsam Durst und greife zu meinem Wasser. Als ich gerade trinken fassen möchte donnert mir ein Fussball lustig hinten auf die Birne, was dazu führt, dass ich mir am Flaschenhals ein noch lustigeres kleines Stück vom Schneidezahn abschlage... Ich drehe mich um und da steht... so ein Zufall! Das sympathische kleine Arschloch vom Eingang! Entschuldigend sagt der Kleine zu mir: Geb mein Ball her, du Missgeburt! Da kann ich natürlich nicht nein sagen und werf ihm den Ball zu.... Im Schwimmbad ist es echt toll! Doch ein Schluck Wasser konnte mich nicht wirklich erfrischen. Zeit für einen Sprung ins kühle Nass! Nachdem ich einen netten Mann neben mir darum gebeten habe, doch ein Auge auf meine Sachen zu haben, während ich schwimme, schlendere ich zum Becken. Hier ist es toll! Viele kleine Kinder rennen herum. Eins rennt mir mit dem Kopf in die Eier und fängt an zu heulen. Die Mutter schreit mich ein wenig an, was mir einfiele, so einfach am Becken vorbeizugehen wenn ihr Kind da herumtobt. Ja, das tut mir natürlich Leid... hätt ich auch wirklich besser aufpassen müssen. Endlich bin ich im Wasser. Das ist echt schön ! Das Sonnenöl von tausenden Leuten schillert auf der Wasseroberfläche, durch die Chlor-verätzten Augen scheint die Welt in einen lieblichen Schleier gehüllt. Ich tauche unter und geniesse gerade den Wechsel zwischen kaltem Wasser und warmem Pipi als mir ein nettes kleines Kind vom 3-Meter-Brett auf den Rücken springt. Als ich japsend auftauche, um mich zu entschuldigen, sehe ich, dass es ja genau das gleiche Kind wie eben war! Hach wie nett! Hoffentlich hat es sich nicht weh getan! Es hört auch tatsächlich gleich auf zu weinen, nachdem ich ihm meine Uhr geschenkt habe. So ein liebes Kind! Raus aus dem Wasser, zurück zum Platz. Als ich dort ankomme, ist der nette Nachbar, der ein wenig auf meine Sachen aufgepasst hat, nicht mehr da. Mein Geldbeutel auch nicht. Dafür aber sein Hund, der gerade mein Schnitzelbrötchen frisst um danach in meinen Turnschuh zu scheissen. Netter Hund! Eigentlich bin ich sehr ausgeglichen... aber jetzt ist es doch langsam genug. Ich packe meine Sachen zusammen und den blöden Hund in die Kühlbox seines freundlichen Herrchens.
Selbige lasse ich feierlich im
Wellenbecken zu Wasser und schaue mir belustigt den wilden Ritt an, während ich ein paar Takte Surfin USA pfeife.
Mit dem Handy des Herrchens rufe ich eine 0190-Nummer an und werfe es dann aufs Dach der Umkleidekabinen.
Jetzt hab ich mich schon beinahe beruhigt.
Ich schlendere zu meinem Fussball-Freund, nehme ihm den Ball ab und
schiesse ihn mit einem beeindruckenden Vollspann aus einem Meter Entfernung direkt in sein nettes Gesicht.
Nachdem er nach hinten umgefallen ist, nehme ich die Gelegenheit wahr,
in seinem Rucksack noch ein kleines Feuerchen zu legen und mache mich auf den Weg zum Ausgang.
Als ich am Beckenrand vorbeikomme sehe ich meinen Kumpel vom 3-Meter-Brett.
Da der Bademeister gerade dabei ist,
einen Telekom-Opa aus dem Becken zu fischen nutze ich den Moment,
schnapp mir die Badehose des netten kleinen Schweinepriesters und hänge sie nicht weit entfernt an einen hohen Ast.
Als ich am Ausgang ankomme schau ich mich ein letztes Mal um:
Der Fussball-Penner hüpft plärrend um seinen brennenden Rucksack herum
(das Feuer hat inzwischen auf benachbarte Bastmatten übergegriffen),
die kleine Nervensäge hüpft nackt unter dem Badehosen-Baum herum und der nette Nachbar sucht seinen Hund...
die fest verschlossene Kühlbox zieht immernoch ihre Bahnen im Wellenbecken und das Handy funkelt mir lustig
vom Umkleidendach zu. Die Rechnung muss inzwischen schon bei etwa 35 EURO liegen... Als ich zum Auto
zurückkomme hängt ein Strafzettel dran. Ich nehm ihn ab, lese ihn aufmerksam durch und esse ihn auf.
Dann steig ich in mein brütend heisses Auto und denke: Gar nicht so schlecht, so ein Besuch im Freibad.